9. Noch mal Göteborg

Wir kehren zurück nach Göteborg, stellen das Auto auf dem Parkplatz ab und crashen in der winzigen Wohnung. Die Luft steht. Kind nimmt jubelnd ihre Couch wieder in Beschlag, und schleppt Kissen, Schlafsäcke und, neuestes, einen Regenschirm an, um zu bauen.
Martin bleibt derweil draußen und kümmert sich um das Auto und den Parkplatz.
Und hier kommt der Abschnitt, besonders für diejenigen, die sich praktische Tipps wünschen und weniger best of Spielplätze: Lasst uns über Parkplätze reden.
Autofahren in Schweden ist schön, es ist entspannend, ruhig, nicht zu viel Verkehr. Aber scheinbar gibt es eine EU-Richtlinie, die besagt, dass Autofahren das Leben durchschnittlich um mindestens 2 Jahre verkürzen muss. Und da die schwedischen Behörden kein Stress auf den Straßen wollen, haben sie eine andere Lösung gefunden: Parken so stressig, teuer und abscheulich wie irgend möglich zu machen!
Zum einen ist es Wahnsinn, wie viel wir zahlen. Zwischen 50 und 120 Kronen war alles dabei. Aber das ist nicht das Schlimme. Großstadt ist immer teuer. Aber das WIE zahlen!!!!!

Picknick, standesgemäß mit Tiramisu


Wir haben ja kein Auto in Schweden, deswegen bekommen wir nur sporadisch mit, was sich so alles ändert.
2010: man kann überall mit Bargeld zahlen, einige kostenlose Parkplätze.
2015: man kann fast überall nur noch mit Kreditkarte zahlen. Kostenlose Parkplätze? Man muss schon wissen, wo die sind.
2020: Man kann mit Kreditkarte zahlen… oder man muss eine App runterladen. Oder eine Sms schicken. Aber dafür braucht man eine Schwedische Personennummer. Kostenlose Parkplätze? Hahahahaschluchz.
Es hat genervt! Bei einem Parkplatz lief die Zeit, bis man eine Abschluss-Sms geschickt hat. Beim nächsten musste man eine Zeit auf der App einstellen, und wenn man vergessen hat, zu verlängern, gab es Strafzettel. Ja, Zettel, Plural. Wir bekamen einen nachts um elf, und den nächsten um kurz vor sechs, also während der gleichen Nacht. Und ja, wir haben es angefochten, aber da das von der Aimopark, den Geiern unter den schwedischen Gesellschaftern betrieben wird, gibts da wohl keine Chance (mal sehn, was- und wann da Antwort kommt)

Wir funken Fra an, dass wir zurück sind, dann machen wir uns auf, Richtung Museum. Richtung Museum, nicht ins Museum. Da waren wir nämlich nicht in diesem Urlaub, sondern das letzte Mal, 6 Monate und hundert Millionen Jahre her, in den letzten normalen Wochen, als wir überlegten, ob dieses „covid“ irgendwie ein Problem werden könnte.
Das Naturhistoriska ist eigentlich eine riesige Zoologische Sammlung, basierend auf der Sammlung der Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället (Königliche Gesellschaft der Wissenschaft und Künste). Um es zusammenzufassen: alles tot! Es gibt tote Insekten, tote Vögel, totes Saurierskelett und sogar einen präparierten Blauwal, den einzigen in einem Museum der Welt. Der Eintritt ist frei, und das Naturhistoriska ist fantastisch, um ein paar Stunden zu überbrücken an einem regnerischen Nachmittag. https://www.gnm.se/en/
Aber heute regnet es nicht, ich meine, noch nicht. Und deswegen gehen wir zum schönsten Spielplatz von Schweden (also meiner Meinung nach, bei Kind ist er auf Platz 2, hinter Baum). Plikta befindet sich direkt neben dem naturhistoriska Museum, und ist vom Museum inspiriert. Tochter klettert im „Algenwald“ herum, und zum Schluss erklimmt sie sogar den „Wal“ (ja, das Klettergerüst ist ein riesiger Holzwal, inner hohl und mit Kletterbouldern an der Seite! Übrigens, Geständnis: auf dem Spielplatz bin ich die Mama, die mit dem Handy abseits steht. WEIL ICH SONST EINEN HERZINFARKT BEKOMME! Kopfüber? Ohne Hände? Mit zur Seite fallen lassen? Mit Schwung? Zu Weihnachten waren wir im Zirkus, und nachdem Kind die Clowns ausprobiert hatte, hat sie sich die Artisten vorgenommen. Na ja, wenigstens gabs da keine Löwen …
Kind ist das wurscht, die hat Fras Bruder adoptiert und zeigt ihm alle ihre Kunststücke (showoff). Stephano ist aus Mailand gekommen und… tja, für einen Moment ist es fast wie in Mailand. Jess, Jenny, Fra, Stephano, Martin, ich… Corona ist nicht rum, das wissen wir in keinem Moment besser als hier mit Stephano, der als Arzt in Mailand im Krankenhaus arbeitet, und selbst an Covid erkrankte. Aber hier haben wir eine Atempause. Wir wagen nicht, uns drinnen zu treffen, aber wir können hier draußen sein, hier im schwedischen Sommer, haben wir einen Augenblick Ruhe.

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